Koskenkorva, Lonkero, Lapin Kulta, Saunabier und Kalsarikännit: wie Finnen wirklich trinken und was ein Bier in einer Lappland-Bar kostet.
Vom Koskenkorva am Freitagabend bis zu kalsarikännit („Unterhosen-Suff“, zu Hause in Unterwäsche trinken), ein Leitfaden, wie Finnen tatsächlich trinken.
Die finnische Trinkkultur baut auf Widersprüchen auf. Finnland hat eine der strengsten Alkoholgesetzgebungen Europas, ein staatliches Einzelhandelsmonopol, eingeschränkte Pub-Öffnungszeiten, hohe Steuern und zugleich sehr trinkfreudige Menschen. Alkohol ist hier kein Hintergrundrauschen. Er ist eine bewusste Handlung, die ernst genommen und oft zeremoniell ausgeführt wird.
Besonders in Lappland ist das Trinken eng mit der Umgebung verwoben. Es wird nach dem Skitag getrunken, nach der Schneemobiltour, nach der Polarlicht-Wache. Die Kälte macht das warme Getränk besser. Die Dunkelheit macht den Pub im Kerzenlicht wärmer. Die Stille macht das Lachen lauter.
Wenn Finnland eine Nationalspirituose hat, im übertragenen wie im wörtlichen Sinne, dann ist es Koskenkorva. „Kossu“ für alle, die ihn kennen. Ein Kornschnaps mit 38 Vol.-%, der seit 1953 im Dorf Koskenkorva in Ostbottnien aus finnischer Gerste destilliert wird. Die Brennerei läuft 24 Stunden am Tag, jeden Tag.
Koskenkorva ist kein Wodka, er ist ausdrücklich ein Kornschnaps, mit einem etwas raueren, charakteristischeren Profil als gefilterter Wodka. Trotzdem ist er extrem rein: zu einer sehr hohen Reinheit destilliert, mit sehr wenigen Begleitstoffen. Finnen sagen, der Kater sei im Vergleich zu billigeren Spirituosen fast nicht vorhanden. Das ist entweder wahr oder ein sehr gelungener finnischer Mythos.
Wie trinken ihn die Finnen? Kalt, pur, aus einem kleinen Glas. Manchmal mit einem Bier-Chaser (die Kombination heißt viina + kalja, das klassische finnische Arbeiterklasse-Paar). In Lappland gibt es ihn in jedem Pub, meist griffbereit direkt an der Theke. Er stand auf finnischen Tischen bei Hochzeiten, Beerdigungen, Saunaabenden am Samstag und Sonntagvormittagen. Er ist nicht glamourös. Das ist der Punkt.
Hersteller Altia (heute Anora Group). Über 10 Millionen Liter werden jährlich in Finnland verkauft. Im Dorf Koskenkorva leben etwa 1.500 Menschen. Die Brennerei ist eine der effizientesten Korn-Brennereien der Welt, ohne Abfall: Die Getreidereste werden ans Vieh verfüttert.
Finlandia Vodka, von Finnland in die Welt
Während Koskenkorva den Finnen gehört, ist Finlandia das Geschenk Finnlands an die übrige Welt. 1970 lanciert, im selben Jahr wie der erste Tag der Erde, was entweder Zufall oder sehr bewusstes Branding ist, war Finlandia einer der ersten Premium-Wodkas, der „Reinheit“ als Hauptanspruch vermarktete.
Die Einfachheit des Rezepts ist beabsichtigt: In Finnland gewachsene sechszeilige Gerste und Gletscherquellwasser aus Rajamäki, rund 50 km nördlich von Helsinki. Das Wasser ist der Star. Finnisches Gletscherquellwasser ist eines der weichsten der Welt, mineralarm, mit geringer Härte, was einen deutlich reinen, leichten Wodka praktisch ohne Nachgeschmack ergibt.
Finlandia wird über 200-mal in einem kontinuierlichen Destillationsverfahren destilliert, nicht chargenweise wie die meisten Premium-Spirituosen. Das Ergebnis ist extrem gleichbleibend. Er hat internationale Blindverkostungen gegen viel teurere Konkurrenten gewonnen. In Finnland ist er weiterhin erschwinglich. Im Ausland trägt er seine finnische Herkunft als Premium-Qualitätsmerkmal.
Seit 2023 im Besitz von Coca-Cola HBC, davor gehörte die Marke Brown-Forman (Muttergesellschaft von Jack Daniel's). Erhältlich in über 80 Ländern. Das ikonische gefrostete Flaschendesign hat sich seit 1970 kaum verändert. Hergestellt in der Brennerei Rajamäki, die seit 1888 Spirituosen produziert.
Wenn ein Bier in einen Guide zu Lapplands Bars gehört, dann Lapin Kulta, wörtlich „Lapplands Gold“. Die Brauerei wurde 1873 in Tornio an der finnisch-schwedischen Grenze an der Mündung des Tornionjoki gegründet, und das Bier trug diese arktische Adresse weit über ein Jahrhundert. Hartwall schloss die Brauerei in Tornio 2010 und verlegte die Produktion nach Lahti; der Name zeigt also weiter nach Norden, auch wenn hier nicht mehr gebraut wird.
Lapin Kulta ist Finnlands klassisches Pale Lager, klar, leicht, malzig und unkompliziert. Es gewinnt keine Mikrobrauerei-Preise und versucht es auch nicht. Es ist das Bier, das seit fünf Generationen auf finnischen Hüttentischen, Saunabänken und Festivalgeländen steht. Wenn ein Finne sagt „holen wir uns ein Bier“, ist das oft dieses Bier. Besonders in Lappland fühlt sich das Bestellen eines Lapin Kulta in einem örtlichen Pub auf eine Weise richtig an, wie es kein importiertes Lager könnte.
Die Marke hat im Lauf der Jahrzehnte mehrfach den Besitzer gewechselt; heute gehört sie Hartwall und dessen Muttergesellschaft Royal Unibrew, aber das Bier selbst bleibt ein finnischer Klassiker. Sie finden es in jeder Bar Lapplands, in jedem Laden, in jedem Alko. Es ist im besten Sinne völlig gewöhnlich.
Karhu, Finnlands meistverkauftes Bier, etwas malziger als Lapin Kulta. Sandels, benannt nach einem finnischen Kriegshelden, beliebtes Budget-Lager. Olvi, seit 1878 in Iisalmi gebraut, die einzige große finnische Brauerei, die noch in finnischem Besitz ist. Koff, Helsinkis älteste Brauerei-Marke (1819), heute im Besitz von Sinebrychoff/Carlsberg.